Inside Zensus 2011: „Interviewer“-Erfahrungsbericht

Oha, lest euch mal diesen gruseligen Bericht zu den „Interviewern“ (= Volkszählern) zum Zensus 2011 durch. Da sind echt tolle Kracher drin. Zum Beispiel wird mit Geld gelockt (was auch im Zensus-Gesetz steht), auf der Info-Veranstaltung heißt es dann aber plötzlich „ehrenamtlich“. Außerdem soll vor dem Termin Karten eingeschmissen werden, wann die Volkszähler vorbeikommen. Dieses ist natürlich unentgeltlich, es gibt nur für die Fragebögen Geld. Ein weiterer Knaller ist, dass die Handys zur Verfügung gestellt bekommen, aber keine Kugelschreiber. Außerdem sind die Volkszähler während ihrer Tätigkeit nicht versichert!

Das sind nur ein paar Brüller, lest euch das mal ganz durch. Arbeitsbedingungen, die man sonst nur aus Dokumentarfilmen kennt, wenn irgendein Multi-Konzern in Bangladesch herstellen lässt. Ich frage mich, welche armen Schweine da mitmachen, das müssen ja wirklich Leute sein, deren einziger Verdienst dieser Drecksjob ist. Das ist schlimmer als Zeitungen austragen!

Ein Augenmerk sei auch auf den „Fortschrittsbogen“ geworfen, der nachweisen soll, dass die Volkszähler auch gearbeitet haben. Dort werden heimlich weitere Daten notiert:

Und dort hinein kommen auch die Anmerkungen zur befragten Person, die besagter Mitbürger nicht erfahren soll: Allgemeiner Eindruck, ob er die Wahrheit sagt, was einem hinsichtlich der Wohnung aufgefallen ist usw. – teils stichwortartig, teils codiert. Wenn dem Amt irgend etwas daran aufstößt, dann hakt es nach – und beruft sich dabei auf die o. a. EU-Verordnung.

Unfassbar.

Auch logistisch ist das ganze enorm, denn die ganzen Fragebögen müssen ja auch wieder zurück zum Statistikamt. Am Ende kommt man dann zu dieser Rechnung:

Rechnet man jetzt Zweittermin (worst case: 200 Stunden) und Vorbegehung (min. 16 Stunden) zum Interview noch hinzu und geht schlimmstenfalls von unrichtig oder unvollständig ausgefüllten Bögen aus, dann kommt man auf im bösesten Fall auf 416 Arbeitsstunden (das sind 2,6 Monate Vollzeitstelle), in denen 250 Euro verdient werden – ergo auf 60 Cent Stundenlohn vor Steuern und selbst zu tragenden Fahrtkosten. OK, etwas mehr dürfte es real wohl werden – so vielleicht ein Euro pro Stunde: Großzügiger Staat!

Es sind übrigens nur bis zu 175 € steuerfrei, der Rest muss versteuert werden. Na, will sich nicht jemand noch schnell als Volkszähler bewerben? 🙂

31 thoughts on “Inside Zensus 2011: „Interviewer“-Erfahrungsbericht

  1. Hallo,
    es handelt sich in der Tat um eine ehrenamtliche Tätigkeit, also unbezahlte Tätigkeit. Es wird lediglich eine Aufwandsentschädigung gezahlt, die die eigenen Unkosten decken soll. Dass da unterm Strich für die Interviewer noch was übrig bleibt und dass das auch die Motivation für viele Interviewer ist, das überhaupt zu machen, ist zwar richtig, aber eigentlich nicht so gedacht. Deswegen ist es in der Tat fragwürdig, dies mit einer normalen Erwerbstätigkeit zu vergleichen und sich dann über die miese Bezahlung zu wundern. Vergleichen Sie es doch mal mit der Tätigkeit als Wahlhelfer. Da erhält man 25 € und muss dafür 7 Stunden am Sonntag (!) aufwenden. Oder mit der Tätigkeit bei der freiwilligen Feuerwehr, wo man hunderte Stunden im Jahr aufwendet und gar nichts dafür bekommt. Alle drei Tätigkeiten (Zensus, Wahlhelfer, Feuerwehr) sind übrigens nur so lange freiwillig, so lange sich genug Freiwillige finden. Ist das nicht der Fall, gibt es die Möglichkeit der Zwangsverpflichtung von Bürgern. Und ich kenne auch mehrere Personen, die unfreiwillig beim Zensus 2011 mitmachen müssen, weil sie im öffentlichen Dienst tätig sind und ihr Arbeitgeber es ihnen vorschreibt.
    Die Aufwandsentschädigung dient wie gesagt dazu, die Unkosten des Interviewers zu tragen, dazu gehören dann neben Fahrtkosten auch Kugelschreiber, Stadtpläne etc. Ein Handy ist dagegen unverhältnismäßig teuer, deswegen kann man nicht erwarten, dass der Interviewer es auf eigene Kosten beschafft. Es wundert mich allerdings sehr, dass ein Handy seitens der Erhebungsstelle zur Verfügung gestellt werden soll, das scheint ein lokaler Einzelfall zu sein und keinesfalls Standard. Und selbstverständlich sind die Interviewer während ihrer Tätigkeit versichert! Alles andere ist schlichtweg eine Falschinformation.
    Nun noch zur Besteuerung: Es sind 175 € pro Monat steuerfrei. Da die Interviewer in der Regel offiziell von April bis Ende des Jahres „beschäftigt“ sind, können 9 x 175 €= 1575 € Aufwandsentschädigung ohne weiteren Nachweis steuerfrei bezogen werden.

    1. @Christian: Ob ehrenamtlich oder nicht, die „Aufwandsentschädigung“ ist im Verhältnis zu der vielen Arbeit absolut lächerlich. Der Vergleich mit freiwilliger Feuerwehr und Wahlhelfer lasse ich nicht gelten, als Wahlhelfer kriegt man zumindest hier in NRW 50€ – für das rumsitzen und auszählen, was nun wirklich nicht mit der Arbeit beim Zensus vergleichbar ist. Auch der Vergleich mit der freiwilligen Feuerwehr hinkt, denn hier gibt es (auch hier wieder abhängig von der Kommune) teilweise Vergünstigungen z.B. in Freibädern.

      Die Unkosten werden keinesfalls von den „Aufwandsentschädigungen“ getragen. Ein Hauptproblem ist, dass es KEIN Fahrtkostengeld gibt. Pauschal zu sagen, in den 7,50€ pro Fragebogen wären die Fahrtkosten schon mit eingerechnet, ist bei den heutigen Benzinpreisen absolut unrealistisch.

      Bezüglich der Versicherungsfrage konnte ich nichts finden. (Übrigens ein schönes Beispiel, wie informativ das statistische Bundesamt ist.)

      Zur Steuer: Schöne Rechnung, aber geht das auf? Ich bin kein Steuerexperte, aber ich würde vermuten, dass eine solche Trickserei nicht unbedingt erlaubt ist. (Wenn ich im Juli 180€ kriege darf ich die 5€ doch nicht erst im August angeben, oder?)

  2. Hallo,
    das Erfrischungsgeld für Wahlhelfer hängt von der Kommune ab. Ich glaube Ihnen gerne, dass es Kommunen gibt, die 50 € oder mehr zahlen, bei uns sind es aber 25 €, wo wir je nach Dauer der Auszählung bei einem Stundenlohn von 3-4 € wären, für Sonntagsarbeit (!) wohlgemerkt. Beim Zensus kann man es bei effizienter Organisation auf einen höheren Stundenlohn bringen und man arbeitet werktags.
    Zum Thema Benzinpreis: Da die Haushaltebefragung ausschließlich in Kommunen mit 10.000 Ew. oder mehr durchgeführt wird, sollte es kein Problem sein, alle Wege zu Fuß, per Fahrrad oder mit dem ÖPNV zurückzulegen. Ein PKW ist definitiv nicht erforderlich und wenn man das mit dem PKW macht, zieht man die Bilanz in der Tat ganz schön nach unten. Trotzdem sollte auch dann die Aufwandsentschädigung ausreichen, um alle Kosten zu decken. Wenn z.B. jemand für 50 Haushalte zuständig ist, wird er kaum 1300 km dafür fahren müssen, es sei denn er organisiert seinen Arbeitsablauf äußerst ungeschickt. Ob die „Trickserei“ mit der Steuer zulässig ist, weiß ich nicht, da das aber alle Erhebungsstellen so handhaben, vermute ich mal, dass das rechtlich auch abgesichert ist. Die Erhebungsstelle bescheinigt, dass man von April bis Dezember tätig war.

  3. Die Informationen des Autors sind unvollständig und teilweise so nicht richtig.
    Bin selbst Interviewer und kann das aus reinstem gewissen so sagen!
    Benzin- bzw. Fahrtkosten für Bus und Bahn werden selbstverständlich erstattet, kullis habe ich auch bekommen usw.

  4. Hallo

    also meine Erfahrung als Interviewerin sind bei weitem nicht so rabenschwarz wie es hier dargestellt wird bzw. der Link zum Horrorbericht.
    Von Handys für die Interviewer war bei uns keine Rede und zum Thema Pappschachtel…es wurden stabile Umhängetaschen verteilt und Kulis!!!
    Also piano bitte!!!!
    Obwohl ich nicht in der direkten Nachbarschaft befrage, bin ich zu Fuß in maximal 15 Minuten bei allen Adressen die ich aufsuchen soll.
    Wenn hier schon der falsche Vergleich mit einer normalen Arbeit gezogen wird:
    Welcher Arbeitnehmer kann das von seinem Arbeitsort bitte behaupten?
    Wenn wir mal das Beispiel mit der Feurwehr aufgreifen, da komme ich glaube ich am Jahresende besser davon, was Aufwand und Entschädigung angeht…und der Feuerwehrmann riskiert teilweise sein Leben/Gesundheit (…für die Allgemeinheit-nur mal zur Erinnerung!!!).
    Wenn es 2011 nicht brennt oder Hochwasser gibt, dann bekommt er keine 750 € hat aber was Übungsstunden usw. mehr geleistet i.Vgl. zu meinen Stunden.

    In meinem Landkreis machen die Befragungen hauptsächlich ältere Leute die im Ruhestand/Rente sind und die paar Euros da jetzt eben mitnehmen.
    Vermutlich aber hauptsächlich um mal Abwechslung in ihr Leben zu bringen, nicht weil sie auf das Geld angewiesen sind.
    Über den Sinn und die Verwertbarkeit der Daten beim Zensus kann man sicher diskutieren über die Kosten dafür auch.

    1. @Mel: Ich habe nur zwei Fragen, die nicht direkt auf deinen Inhalt abzielen: Seit wann ist Stuttgart ein Landkreis? Und warum kommen positive Kommentare zum Zensus bislang nur aus Studenten-Netzwerken? 😉

      Übrigens solltest du eine richtige E-Mail-Adresse angeben, @google.com haben nur Google-Mitarbeiter. Sowas ist immer sehr spamverdächtig. 😉

  5. @ christian

    Warum positive Bewertungen nur aus Studentennetzwerken kommen…keine Ahnung?
    Vielleicht weil vermutlich unter den Befragern viele Studies sind und die somit damit Geld verdienen….?
    Da könnte man sich jetzt auch die Frage stellen, ob Studenten weniger gut Rechnen können und ob sie weniger kritisch sind i.Vgl. zur restlichen Bevölkerung?
    So würde sich dann auch erklären warum die Studenten gerne für die oben errechneten 0,60€ Stundenlohn arbeiten.

    Das mit der email ist natürlich falsch…sorry dafür, war sicher keine Absicht.
    Und ja Stuttgart ist kein Landkreis aber ich befrage auch nicht im Stadtgebiet Stuttgart 🙂

  6. Als Interviewer finde ich die „Entschädigung“ und Erstattung der Fahrtkosten so leidlich OK. Viel schlimmer ist die Auszahlungspraxis. So habe ich mitte Juni den Pauschalbetrag für die Schulung im April erhalten. Auch bei den mittlerweile abgeschlossenen Umfragen werde ich wohl mindestens bis August auf die Auszahlung warten müssen.
    @Mel
    Ich wohne hier auf dem Land ohne wesentliche Anbindung öffentlicher Verkehrsmittel. Mein Befragungsbezirk war 25 km entfernt und ich habe ca. 200 EUR Benzingeld vorfinanziert.

    Das man als freiwilliger Zensushelfer zum unfreiwilligen Kreditgeber des Landesamt für Statistik wird, finde ich als eigentliche Schande!

  7. Also ich kann nur bestätigen, dass man als Interviewer durchaus unfallversichert ist. Das ist man bei jeder ehrenamtlichen Tätigkeit, die man für den Staat ausübt.

    Ich habe leider keine Umhängetasche und muss mich mit den Pappkartons zufrieden geben. Handys werden auch nicht verteilt. Die Fahrkosten und Telefonkosten, usw. sind alle durch die Aufwandsentschädigung abgedeckt. Je nach Erfolg liegt sie zwischen 2,50 bis 6,20 Euro. Ohne Auto wird man Zensus kaum machen können. Neben den ganzen Straßen muss man das Material natürlich auch mitnehmen. Die Region ist übrigens Kreis Mettmann in NRW.

    1. @pfennigfuchser: Sag mal, kollidiert dein Wissen (das du über den Zensus bei den Fragebögen nunmal zwangsweise erlangst) nicht mit deinem Beruf bei der Kreisverwaltung Mettmann? 😉

  8. Ich selber habe mich von dem Zensus als Interviewer blenden lassen. Erst wurde man gelockt mit 7,50 Euro pro Fragebogen, dann in der Abrechnung kommtzum Schluss nur 2,30 pro Fragebogen raus, obwohl alle Korrekt und Ordnungsgemäß ausgefüllt wurden. Dann heißt es 3 Wochen nach Abrechnung ist das Geld auf dem Konto und nun warte ich schon fast 2 Monate auf das Geld.
    Soviel dazu !
    Kulis haben wir erhalten, lediglich bei den Ausfallmeldungen wurde von mir erwartet das ich diese auf eigene Kosten Kopiere weil angeblich nicht genug da waren.
    Alles war so gelegen das man es zu Fuß erledigen konnte, aber dennoch werde ich nie wieder etwas Ehrenamtlich für den Staat machen, Keine Pünktliche Bezahlung unkorrekte Angaben zum Verdienst oder Aufwandsentschädigung und zum Schluss wälzt jeder die Verantwortung für den Mist ab. Nun werde ich Klagen gegen das Land Sachsen und sehen was raus kommt. Nie Nie WIEDER

  9. Ich habe mir jetzt nicht alle Beiträge durchgelesen, aber allein der Artikel, der hier die Diskussionen ausgelöst hat, veranlasst mich, auch meinen Senf abzugeben.

    Ich selbst habe mich als „Interviewer“ am Zensus beteiligt und kann nicht nachvollziehen, warum hier so schlechte Meinungen und alptraumhafte Beschreibungen über den „Job“ kursieren.

    1. handelt es sich ja nun mal um eine Aufwandsentschädigung und keine Bezahlung. Wenn man Blut spendet, bekommt man je nach Organisation auch max. 20 Euro Aufwandsentschädigung, obwohl die selbst das Blut für mehrere Hundert Euro weiterverkaufen. So what, es wird ja keiner gezwungen mitzumachen (im Falle des Zensus wurden zwar einige gezwungen, aber das ist wieder ein anderes Thema und ich nehme mal an, dass sich der Großteil freiwillig gemeldet hat)

    2. ich selbst habe versucht, mir das Einwerfen der Karten und die Interviewtermine so gut wie möglich zu organisieren, sprich: wenn ich wusste, dass ich aus privaten Gründen eh an „meinem“ Bezirk vorbeifahre, habe ich die Zensus-Angelegenheiten immer direkt miterledigt und so meine Gesamtarbeitszeit auf ein Minimum gebracht. Wer nicht fähig ist, sich so etwas ein bisschen sinnvoll zu strukturieren, sollte halt lieber die Finger davon lassen, denn es war von Anfang an klar, dass ein bisschen Organisationstalent dazu gehört, wenn man das ohne ständiges Hin- und Hergefahre bewältigen will

    4. meine gesamte Aufwandsentschädigung betrug 752 Euro (übrigens komplett steuerfrei!), ich habe zwar nicht nachgehalten, wie viele Stunden ich dafür gearbeitet habe, aber von meinem Gefühl her ist dieser Betrag auf jeden Fall verhältnismäßig und ich fühle mich nicht ausgebeutet, zumal ich

    5. fast nur positive Erfahrungen mit den Menschen gemacht und nette Gespräche geführt habe. Der Zensus hatte für mich dadurch noch einen Zusatzwert.

    Fazit: 752 Euro sind für mich als Schülerin viel Geld und es gibt sicher schlimmere Arten, dies zu verdienen, als mit (in meinem Fall) fast ausschließlich freundlichen Menschen ein paar Fragen durchzugehen.

    Das wollte ich nur mal loswerden. Es mag da sicherlich auch negative Beispiele geben, das streite ich nicht ab, aber das Ganze grundsätzlich als staatlichen Betrug abzustempeln und sich zu fragen, was für arme Schweine das sind, die da mitmachen, finde ich nicht richtig.

  10. Noch ein Nachtrag, weil mir gerade ins Auge sprang, dass viele lange auf ihr Geld warten.

    Ich habe meines 4 Tage nach Abgabe der Unterlagen auf meinem Konto gehabt. Aber sowas ist dann wohl einfach von Stadt zu Stadt unterschiedlich und kann nicht pauschalisiert werden.

  11. Halo Carina,

    würde mich mal interessieren, in welchem Bundesland bzw. Stadt zu erhoben hast. Auch ich habe, ähnlich wie du sehr gute und nette Erfahrungen bei meiner Zensuserhebung gemacht, es im Vorfeld gut organisiert, und die Befragung zügig durchgeführt. Am 30.05.2011 habe ich meine kompletten Unterlagen abgegeben. Ich habe bis auf eine Person alle betroffenen Personen persönlich befragt.
    Aber mit der Zahlung der AWE lässt sich unsere Verwaltung Zeit. Erst hieß es Kalenderwoche 25, dann 28, mittlerweile haben wir die 30. Woche. Solche Dinge sind ärgerlich und könnten besser organisiert sein. ( Oder dienen die Interviewer zur Zwischenfinanzierung der maroden Staatskassen ?.

  12. Hi Carmen,

    ich war in NRW unterwegs, den genauen Ort möchte ich nicht nennen, ich gebe nicht gern allzu viele Daten von mir im Internet preis 😉

    Und wie gesagt, bei mir ging die Zahlung sehr schnell, aber das hängt wohl wirklich von der jeweiligen Erhebungsstelle ab und daher kann man wohl nicht sagen, dass der Staat eine Zwischenfinanzierung betreibt, da das nun mal von den einzelnen Städten geregelt wird.

    Aber ein Problem habe ich dann doch noch: es wurde bei der Schulung und später auf Nachfrage hin auch noch einmal mir persönlich gesagt, dass es für Personen, die auch nach mehrmaligem Kontaktversuch nicht angetroffen wurden, 2,50 € Aufwandsentschädigung gibt.
    Die wurden aber bei mir jetzt nicht mit abgerechnet und auf Nachfrage bei der Erhebungsstelle hieß es, dass das nie gesagt worden sei.
    Find ich ziemlich dreist, mein Freund hat auch als Interviewer mitgewirkt und wir beide haben es ganz genau gehört, dass es dafür pro Person 2,50 € gibt.
    Die Dame von der Erhebungsstelle wurde auch ziemlich schnell aggressiv und meinte, dass wir ja einen Beschwerdebrief an ihren Vorgesetzten schreiben könnten.

    Das ist schon ziemlich bitter, so dreist angelogen zu werden und man kann leider nichts machen, da wir nichts Schriftliches haben und eine Nachfrage bei IT.NRW (die kümmern sich um den Zensus) ergeben hat, dass die Erhebungsstellen selbst festlegen können, wie sie was abrechnen. Also gibt es keine offizielle Grundlage und die können einfach behaupten, dass sie das nie gesagt haben und gut ist.

    Da fühlt man sich dann wirklich betrogen, aber naja, so ist das halt, von einem selbst wird immer superkorrekte Arbeit verlangt und was die anderen angeht, die können machen, was sie wollen…

  13. Also auch ich habe beim Zensus mitgemacht für die Stadt Wilhelmshaven.. wir haben vorher schriftlich bekommen, wofür wir wieviel Geld bekommen werden..!

    Ich fand die Zensus Arbeit einfach nur Spitze, es hat mir total viel Spaß gemacht, mein Bezirk lag ca. 5 km von mir entfernt und es gab pro Adresse die ich angefahren habe 3 € obendrauf. Ich habe insgesamt ca. 60 Adressen abgearbeitet (180 €) und habe aber nur an 5 Nachmittagen alle Leute angetroffen, insgesamt bin ich also für den Zensus 50km gefahren und bekomme dafür 180 €, das nenne ich eher großzügig als alles andere.. zudem ich auch noch meine Einkäufe etc vorher oder hinterher erledigt habe.

    Zudem gab es bei uns auch noch 0,55 € für jeden eingeworfenen Brief.

    Meine Adressen lagen zu 80% in einer Straße, der Rest ein bisschen verteilt, aber per Pedes locker zu erreichen..

    Kulis gab es dabei und natürlich ist man als ehrenamtlich Tätiger über den KSA versichert. Eine Umhängetasche gab es auch nicht, aber bitte, sowas hat doch jeder zu Hause!!!?!!!

    Ich habe wirklich nette Gespräche geführt und habe mich bei jedem Mal, als ich aus dem Haus ging, gefreut, dass ich so und soviel Geld verdient habe..

    Das einzig Blöde ist, dass ich zwar schon weiß wieviel Geld ich bekommen werden, mittlerweile aber auch schon 8 Wochen darauf warte, immerhin sie haben Abschlagszahlungen von 500 € angeboten, die habe ich aber abgelehnt.

    Mir hat es total viel Spaß gemacht und ich würde es jederzeit wieder tun, ich fühle mich keineswegs ausgebeutet. Es war eine gelungene Abwechslung zu Beruf und Kindern die ganz toll mit den Arbeitszeiten meines Mannes zu vereinbaren war… wo gibt es denn schon sowas!??

    Zudem sind alle ehrenamtlichen Tätigkeiten bis zu 1500 € im Jahr steuerfrei und werden mit keinem Cent angerechnet.

    Vielleicht sollte man sich geschickter informieren bevor man solche „bösen“ Beiträge verfasst.

    Gruß

    eine glückliche Erhebungsbeauftragte

  14. so jetz muss ich auch ma mein senf dazugeben….

    ich hab auch als erhebungsbeauftragter, interviewer wie mans auch nennen möchte gearbeitet.
    und nachvollziehen das hier so viel gewettert wird und alles schlecht is kann ich definitiv nicht!
    ich kann mich in vielen punkten nur meinen vorrednern anschließen…klar ist alles eine frage der organisation…wer das nicht hinbekommt der hat pech und hätte sich die sache vorher überlegen sollen.
    meine adressen lagen auch alle fußläufig erreichbar.
    ich frage mich wie diese rechnung der arbeitszeit zustande kommen soll??
    ich habe 120 auskunftspflichtige auf meiner abrechnung stehen alles in allem davon sind fast 90 mit mir zusammen ausgefüllte fragebögen und dafür habe ich effektiv vielleicht 30 arbeitsstunden aufgewendet und nicht mehr dabei aber auch über 700€ verdient. wenn man natürlich ewig braucht für einen fragebogen und dann auch nich clever is und mehrere personen in einem haushalt parallel „abfertigt“ dann sinkt natürlich der stundenlohn…welchen es ja so nicht gibt!

    wo ich mich allerdings auch aufregen muss ist die auszahlungspolitik, mittlerweile auch acht wochen her das ich alles abgegeben habe und ich warte immernoch…

  15. Also…..bin zwar sauer dass ich für meine Tätigkeit noch keinen einzigen Euro überwiesen bekommen habe – 80 % sollen Montag kommen, der Rest leider erst im Otober – aber gelohnt hat es sich dennoch:

    Mußte 100 Personen im Altenheim befragen, von den nur ca. 30% selbst Auskunft geben konnte, die Heimleitung mußte mir die restlichen Daten der anderen mitteilen.
    Bin 3 mal innerhalb von 14 Tagen mit dem Bus dort hingefahren und war jeweils für 4 Stunden da.
    Mach insgesamt 500,- + 25,- für die Schulung…

    Ärgerlich ist jetzt nur das Warten auf die Kohle!!!!!

  16. Also mal zu dem Anfangsblog „Oha, lest euch mal diesen gruseligen Bericht zu den “Interviewern” (= Volkszählern) zum Zensus 2011 durch. Da sind echt tolle Kracher drin. Zum Beispiel wird mit Geld gelockt (was auch im Zensus-Gesetz steht), auf …..“ , also weiß echt nicht wie volltrunken du warst als du das geschrieben hast aber noch größeren Schwachsinn habe ich noch nie gehört. Ich habe für einbisschen um die Häuser ziehen und Leute beklingeln über 800 Euro bekommen. Meine effektive Arbeitszeit war nicht mehr als einen Monat. Also man sollte echt mal vorher überlegen was man für ein Müll ins Internet setzt!!!!!!

    1. @Klaus: Der von dir zitierte Satz ist kein Müll. Lies hier doch mal in den Kommentaren, wie viele mit Geld gelockt wurden und nun verärgert sind, weil sie auf das Geld lange warten müssen. Und in dem verlinkten Beitrag sind wirklich Kracher drin.

      Außerdem kann ich dir versichern, dass ich beim Schreiben des Blogartikels vollkommen nüchtern war. Wenn du größeren Schwachsinn hören willst, dann hör mal zu, was die Politiker so alles von sich geben. Die übertrumpfen mich bei weitem. 😉

      Also man sollte echt mal vorher überlegen, was man für einen Kommentar-Müll ins Internet setzt! (Übrigens, ein Ausrufezeichen genügt.)

  17. Also, die hier was negatives und über Ausbeutung sprechen, haben echt keine Ahnung. Ich hatte meine kompletten Befragungen (ca. 120 Personen) Mitte Juni fertig (habe erst Ende Mai angefangen) und hab mir jetzt echt keinen abgebrochen. Ich war im Endeffekt an ein paar Nachmittagen 2 – 4 Stunden unterwegs und das wars ! An Sprit habe ich bestimmt keine 20 Euro verfahren. Es war eine sehr nette Nebentätigkeit, bei der ich überdurchschnittlich gut „verdient“ habe. Die Leute waren zu 99 % sehr freundlich und wir haben nette Gespräche geführt. Ist halt alles eine Frage der Einteilung. Man muß sich halt vorher überlegen, ob sich das für einen lohnt oder nicht. Hätte ja jeder nach der Schulung auch nein sagen können !!! Ich habe mein Geld zwar auch noch nicht, aber ob das jetzt 1-2 Monate später kommt, ist doch wohl auch egal, Hauptsache es kommt. Ich würde es sofort wieder machen !

  18. Also, jetzt will ich auch noch „meinen Senf“ dazugeben. Ich bin übrigens Pensionär, der sich gerne etwas dazu verdient. Ich habe 175 Leute befragt, davon 160 persönlich und 15 Mal habe ich den Fragebogen zur schriftlichen Befragung ausgehändigt. Ich hatte ein 20-Wohnungen Haus dabei, in dem überwiegend Ausländer, 20% Türken und Griechen, 80 % Rumänen . Die Rumänen arbeiteten überwiegend in einer Großschlachterei. Ich habe mit meinen „Kunden“ auch nur überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Die Arbeit habe ich gerne gemacht, weil auch ich mich mit den Leuten anschließend noch gerne unterhalten habe.
    Zur Bezahlung!
    Wenn ich manchmal in 2,5 Std 15 Interviews gemacht habe, dann kommt ein guter Stundenlohn heraus. Ok, man muß hinterher noch viel Schreibarbeit erledigen, die Fragebögen komplettieren, die Erhebungslisten ausfüllen, etc.
    Das habe ich bei mir zuhause auf der Terasse gemacht. Ich schätze meinen Stundenlohn auf ca. 15 EUR, das ist ein grober Daumenwert. Ich habe die Stunden nicht gezählt, sie spielen auch keine Rolle, der Spaßfaktor hat überwogen.
    Ich war mit der Tätigkeit zufrieden , und ich hätte gerne noch mehr gemacht.
    Ich bin jetzt bei der Nachbefragung, denn 5% der Befragten werden ja mit einem kurzen Frageprogramm nocheinmal nachbefragt. Auch die macht Spaß. Von den mir zustehenden 1350 EUR habe ich allerdings bis jetzt auch erst 350 EUR Vorschuß gesehen. Das ist nicht so toll, denn ich war auch schon Mitte Juni fertig.

  19. So dann will ich hier auch noch mal etwas beisteuern!
    Ich kann nur sagen das ich mit der Arbeit sehr zufrieden war. Der Arbeitsaufwand war bei weitem nicht so hoch wie in dem obigen Text beschrieben. Die Interviews haben vielleicht 20 Minuten pro Haushalt gedauert. Da konnte man am Nachmittag schon so einige schaffen. Auch ich würde meinen Stundenlohn auf 15-20€ schätzen. Wobei man in einer Stunde teilweise auch 10-12 Fragebögen geschafft hat und somit einen weitaus höheren Stundenlohn hatte. Klar muss man die Terminkarten einschmeißen, aber das ist auch kein Weltuntergang und kann wie schon gesagt mit anderen privaten Erledigungen verbunden werden.
    Ich denke mir bei deinem Artikel einfach das man sich vielleicht erstmal informieren sollte bevor man iwas ins Internet setzt. Die Aufwandsentschädigung ist vollkommen in Ordnung, auch wenn man ein paar Kilometer fahren muss. Am Ende bleibt genug übrig. Mehr als 40€ für Benzin habe ich nicht ausgegeben.
    Während der Befragungen hat man viele Menschen kennengelernt und im Großen und Ganzen hat es einfach Spaß gemacht 🙂
    Und wo bitte hast du das mit dem Fortschrittsbogen her? Also ich habe sowas nicht ausgefüllt^^

  20. 40 Euro für Benzin ausgegeben?
    Damit sind die Fahrkosten aber nicht abgegolten. Man sollte schon 25-30 Cent pro Km ansetzen, sonst kann man die Fahrtkosten nicht realistisch erfassen ! ich hatte auch keine Möglichkeit, die Vorbegehung und das Einschmeißen der Terminankündigung mit privaten Erledigungen zu verbinden. Zweimal bin ich zum Abgeben der Unterlagen zur Erhebungsstelle gefahren. Entfernung einfach ca. 18 Km. Das sollte man alles berücksichtigen. Trotzdem hat mir die Arbeit Spaß gemacht.
    Jetzt, bei der Nachbefragung muß ich wesentlich mehr Km fahren. Die Unterlagen muß ich persönlich zur nächsten Erhebungsstelle bringen. Entfernung einfach ca. 45 Km. Dafür wird der Km aber auch mit 0,30 EUR vergütet.

  21. wer soll dem Staat (respektive dem jeweiligen statistischen Landesamt ) nochmals eine Leistung bringen, wenn die Behörde es nicht für nötig hält,
    für erbrachte Leistungen die Aufwandsentschädigung zeitnah auszuzahlen?
    Es ist eine Schande, dass man bittstellig wereden muß, das wenigstens die
    materiellen Aufwendungen (eigener PKW, Telefonbenutzung etc.) ersetzt werden.
    Der Staat als Zahlungsschuldner. Wo ist die Zahlungsmoral geblieben.

  22. Hallo Leute,

    Ich war selbst Interviewer und möchte auch noch meine reale Erfahrung teilen.

    Ich bin immer noch Schüler und für mich war es eine der besten Erfahrungen, die ich je gemacht habe.

    Wie alle anderen habe ich Fragebögen, Kullis, die doofe Papschachtel und die schicke Umhängetasche bekommen, die ich heute immer noch gerne nutze.

    Nebenbei habe ich auch noch über 1000€ steuerfreie Aufwandsentschädigung erhalten. Für einen Schüler ein gigantischer verdienst.

    Und zum Thema Stundenlohn:
    Man kann sich vorbereiten.
    Man kann die Fragebögen schon zuhause mit der Adresse und teilweise schon mit den Namen ausfüllen. Wenn man so gut vorbereitet zu den Haushalten gekommen ist, konnte man das aus bei 4 Personen nach unter 15min wieder verlassen. Mit guter Vorbereitung, konnte ich innerhalb von einer Stunde gut über 100€ machen. Und das soll ein schlechter Stundenlohn sein?????

    Es war auch eine tolle Erfahrung mit den Menschen. Fast alle waren scheißfreundlich und haben mir Essen und Trinken angeboten. Nur bei Zwei Personen fürchtete ich mich um meine Gesundheit. Ich habe sie freundlich darauf hingewiesen, dass sie die Bögen selber ausfüllen können und war froh, dass ich dann wieder gehen konnte.

    Übrigens, ich wurde heute angerufen, ob ich bei der Befragung zur Klärung von Unstimmigkeiten mitmachen würde. Natürlich habe ich zugesagt.

    P.S. : Noch was. Viele der Befragten haben mich nach dem Interview gefragt, ob es das schon war. Viele haben sich von den Medien und Leuten die hier Angst machen einschüchtern lassen und waren danach dann doch verblüfft, wie allgemein die Fragen doch waren

  23. Ich bin bzw. war seit Jahrzehnten als Interviewer für das Bayer. LA f. Stat. u. DV tätig (Mikrozensus, Zensus etc.). Ich kann nicht fassen, welcher Mist hier verzapft wird. Nichts was da eingangs in dem so genannten „gruseligen Bericht“ geschrieben wird, ist wahr. Wenn man die Tätigkeit sauber ausübt, kann man locker auf einen Stunden-Verdienst von ca. 15 Euro kommen. Alles wird ersetzt: Fahrtkosten, Porto, auch die Kugelschreiber wurden gestellt und natürlich auch Telefonkosten ersetzt. Ich kann mir keinen schöneren und leichteren Nebenverdienst vorstellen.

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